Diversity Compass

Ein Tool zur kritischen Diversitätsentwicklung im institutionalisierten Kulturbetrieb.

Du bist Teil einer Kulturorganisation?

Der Diversity-Check bildet den Einstieg. Über einen Fragebogen können Kulturinstitutionen ohne Registrierung ihre Situation im Hinblick auf Diversität selbst einschätzen.

Privilegienrad: Beispiel einer Auswertung mit den sieben Diversitätskategorien

Über das Tool

Diversity Compass ist ein datenbasiertes Reflexions- und Analysetool, mit dem Kulturinstitutionen vorhandene und neu erhobene Daten entlang verschiedener Diversitätsdimensionen auswerten können. So lassen sich die Vielfalt der eigenen Programme reflektieren, Ungleichheiten und Barrieren kritisch hinterfragen und Ansatzpunkte für eine evidenzinformierte Kulturplanung identifizieren.

Vier Schritte

Wie verwende ich den Diversity Compass?

Die Verwendung ist kostenlos. Bevor die Registrierung erfolgen kann, muss der Diversity-Check abgeschlossen werden. Dieser dient zur Erfassung des aktuellen Stands der Auseinandersetzung mit Diversität in der Institution.

Verschiedene Geldflussdiagramme ermöglichen eine Analyse der Ressourcen-Verteilung auf den ersten Blick.

01

Diversity-Check

Bestandsaufnahme des Umgangs mit Diversität in der Institution als Grundlage für weitere Reflexion und Planung.

02

Planung

Reflexion möglicher Ungleichheiten durch die Identifizierung von Leerstellen und unterrepräsentierten Gruppen bei der künstlerischen Besetzung.

03

Datenerhebung

Erhebung von Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten per Fragebogen unter den Künstler:innen, visualisiert als Privilegienrad.

04

Analyse

Datenbasierte Analyse des künstlerischen Programms, etwa nach Budgetverteilung und Auslastung, visualisiert als Portfolio-Analyse.

Kategorien am Privilegienrad

Ausgangspunkt

Das Privilegienrad hilft, unterschiedliche Dimensionen von Privilegierung und Benachteiligung zu reflektieren und mögliche Ungleichheiten kritisch zu hinterfragen (Sayani et al., 2024).

Behinderung umfasst körperliche, psychische, kognitive und Sinnesbeeinträchtigungen sowie chronische Erkrankungen. Behindert werden Menschen dabei vor allem durch Barrieren in ihrem Umfeld – baulich, kommunikativ oder organisatorisch. Die Umfrage fragt, wie oft Menschen deshalb im Kulturbereich auf Barrieren und Ungleichbehandlung stoßen.

Gemeint ist das selbstbestimmte Geschlecht einer Person – etwa weiblich, männlich, nicht-binär, trans* oder inter*. Die Umfrage fragt auch, wie oft dieses Geschlecht im Arbeitsbereich klar erkannt wird: Wer regelmäßig falsch zugeordnet wird, stößt auf andere Hürden als jemand, dessen Geschlecht selbstverständlich anerkannt ist.

Klasse beschreibt die soziale Herkunft und Lage einer Person. Das Privilegienrad betrachtet sie in vier Kapitalformen (Bourdieu, 1986): ökonomisches (Absicherung, unbezahlte Sorgearbeit), kulturelles (Bildung, Sprachen, kulturelle Teilhabe als Kind), soziales (Bildung der Eltern, berufliches Netzwerk) und symbolisches Kapital (Anerkennung wie Preise oder Förderungen).

Race ist hier eine gesellschaftliche Zuschreibung, keine biologische Kategorie: Es geht darum, wie Menschen rassifiziert werden und Rassismus erfahren. Die Umfrage fragt nach der Selbstbezeichnung als BIPoC und danach, wie oft eine Person als „nicht-weiß“ wahrgenommen wird.

Religion umfasst die Zugehörigkeit zu einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft, deren Glauben eine Person praktiziert. Die Umfrage fragt auch, ob die Ausübung von Religion oder Weltanschauung im Kulturbereich auf Barrieren stößt – etwa durch Proben an religiösen Feiertagen oder Kleidervorschriften.

Sexuelle Orientierung beschreibt, zu wem sich ein Mensch romantisch oder sexuell hingezogen fühlt – etwa lesbisch, schwul, bisexuell, queer, asexuell oder heterosexuell. Die Umfrage fragt auch, wie oft Menschen im institutionellen Kulturbetrieb wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Beziehungsform ungleich behandelt werden.

Staatsbürger:innenschaft entscheidet mit darüber, wer wo leben und arbeiten darf. Die Umfrage fragt nach Staatsbürger:innenschaften und Wohnsitz, nach eigener Migrationserfahrung und nach Fluchterfahrung der Person oder ihrer Eltern – und wie stark all das den Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt beeinflusst.

Datenschutz

Was passiert mit Nutzer:innendaten?

Zum Sicherheitskonzept

Keine Weitergabe

Eine personenbezogene Veröffentlichung oder Weitergabe der Ergebnisse erfolgt nicht.

Anonymisierung

Die Daten werden anonymisiert erhoben und ausschließlich in zusammengefasster Form ausgewertet, sodass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind.

Freiwilligkeit

Die Teilnahme ist freiwillig und anonym. Nutzer:innen entscheiden selbst, welche Angaben sie machen oder welche Fragen sie nicht beantworten möchten.

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FAQ

Kulturinstitutionen jeder Größe – Festivals, Theater, Konzerthäuser, Museen und andere –, die ihre Programme im Hinblick auf Diversität reflektieren und bewusst gestalten möchten. Den Diversity Check kann jede:r ohne Registrierung ausfüllen.

Ja, die Nutzung ist kostenlos. Der Diversity Compass ist ein Pilotprojekt, ermöglicht durch die Wirtschaftsagentur Wien.

Erhoben werden Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten zu verschiedenen Dimensionen von Diversität und sozialer Positionierung. Die Auswahl der relevanten Daten richtet sich nach dem jeweiligen Analysefokus.

Umfrageantworten werden anonym erhoben, verschlüsselt auf einem Server in Deutschland gespeichert und nur zusammengefasst ausgewertet – erst ab einer Mindestzahl von Antworten. Jede Institution sieht nur ihre eigenen Daten, weitergegeben werden sie nicht.

Wie sich das Budget eines Programms auf Projekte, Spielstätten und Bezirke verteilt, wer daran beteiligt ist und was die Umfrage ergibt – als Stadtkarte, Portfolio-Analyse und Privilegienrad. So werden Schwerpunkte und Leerstellen sichtbar.

Nein. Ein Leitfaden führt durch die Begriffe und die einzelnen Schritte, Erklärungen begleiten jede Auswertung. Hilfreich ist, die Daten zum eigenen Programm – Projekte, Budgets, Spielstätten – zur Hand zu haben.

Die drei Stufen beschreiben die gesellschaftliche Position in einer Diversitätskategorie: privilegiert heißt, eher Vorteile zu haben, marginalisiert, eher von Benachteiligung und Diskriminierung betroffen zu sein, mittel liegt dazwischen. Gemeint sind gesellschaftliche Strukturen, keine Bewertung einzelner Menschen.

Er macht sichtbar, wie Ressourcen und Beteiligung in einem Programm verteilt sind, und unterstützt Reflexion und Planung. Er ersetzt keine Beratung, keine Zertifizierung und nicht das Gespräch mit den Menschen, um die es geht.

Diversity Check

Du bist Teil einer Kulturorganisation?

Der Diversity-Check bildet den Einstieg in den Diversity Compass. Über einen Fragebogen können Kulturinstitutionen ohne Registrierung ihre Situation im Hinblick auf Diversität selbst einschätzen.

Quellen

Ahyoud et al. (2018)

Ahyoud, N., Aikins, J. K., Bartsch, S., Bechert, N., Gyamerah, D. & Wagner, L. (2018). Wer nicht gezählt wird, zählt nicht. Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten in der Einwanderungsgesellschaft – eine anwendungsorientierte Einführung. Vielfalt entscheiden – Diversity in Leadership, Citizens For Europe.

Americans for the Arts (2019)

Bourdieu (1986)

Bourdieu, P. (1986). The Forms of Capital. In J. G. Richardson (Hrsg.), Handbook of Theory and Research for the Sociology of Education (S. 241–258). Greenwood.

Jablonski (2019)

Jablonski, H. W. (2019). Privilegien (an)erkennen und Potenziale richtig einschätzen. In M. E. Domsch, D. H. Ladwig & F. C. Weber (Hrsg.), Vorurteile im Arbeitsleben: Unconscious Bias erkennen, vermeiden und abbauen (S. 21–36). Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-662-59232-8_2

Sayani et al. (2024)

Sayani, A., Cordeaux, E., Wu, K., et al. (2024). Using the Power Wheel as a transformative tool to promote equity through spaces and places of patient engagement. BMJ Open, 14(3), e074277. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2023-074277